
... und die Spatzen pfeifen es von den Dächern
- Alltäglichkeiten -
Berlin
Frieling, 1996
ISBN: 3-8280-0117-3
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Loch
(aus: "... und
die Spatzen pfeifen es von den Dächern")
Wieder
im Lande, nach langer Abwesenheit. Die Reise tat gut.
Fremde Kulturen, andere Gedanken - Neuigkeiten bereichern
den Schädel, schaffen Erleichterung, denn sie werfen
unnützen
Ballast nach draußen.
Die Zeitumstellung ist verkraftet, und ich möchte Freunde
besuchen, mit ihnen ein wenig über Neuigkeiten plaudern.
Mein Telefonanruf blieb bislang unerhört. Die nächste
Straßenbahn fährt in 10 Minuten.
"Zurück an Absender! Unbekannt verzogen!"
Ein dicker Brief schaut aus dem Kasten. Das Namensschild
ist weg!
Neben der Klingel ein schwarzes Loch.
Unbekannt verzogen? Ich hole den dicken Umschlag aus dem
Kasten zurück und stelle mich auf die Zehenspitzen.
Da unten steht, schief, angelehnt, meine Karte aus Mexiko,
unberührt. Zurück an Absender, aber meine Finger
sind zu kurz,
um sie zu fassen. Einen Monat steht sie jetzt da.
Bei meinem Abschied - kein ungewöhnlicher Gedanke, kein
unruhiges Flattern in ihrem Blick, eine kräftige Umarmung.
Menschliches Versagen? Macht Reisefieber blind?
Kein Wort, kein Zeichen, nur ein plötzliches Aus. Ein
Stich
in der Seele ... Ich muß mich setzen, verschnaufen,
nachdenken. Seit langer Zeit meine beste Freundin, ein Halt.
Kein Buchstabe, kein ... Warum?
Es gibt neue Menschen, neue Freundschaften und vielleicht
einmal einen Neubeginn.
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